Mit der "World Discoverer" auf Expeditionskreuzfahrt nach Vanuatu und Papua Neu-Guinea
 
 

 

 
 

0. Prolog

Im Frühjahr 2003 war unsere Redaktion gekündigt, die Zeitschrift "Elektronikjournal", für die ich damals tätig war, sollte entweder an einen Heidelberger Verlag verkauft oder ganz eingestellt werden. Die Stimmung in der Redaktion erreichte einen Tiefpunkt, jeder tauschte mit den Kollegen nur noch ganztägig seinen Frust aus. Ich hatte noch meinen Urlaub aufzubrauchen und wußte: Ich muß da ganz schnell weg!

Als ich daher das Angebot bekam, von einer Expeditionskreuzfahrt in die Südsee zu berichten, überlegte ich nicht zweimal: Das war eine Traumreise! Auch ein Abnehmer des Reiseberichts fand sich das größte deutsche journalistische Online-Angebot hatte Interesse am Bericht. Allerdings nicht life von der Reise wie bei meinem Foto-Kollegen Michael Hagedorn, sondern erst später im Winter zum Aufwärmen in der kalten Jahreszeit.

Nix wie weg leider allein

Leider konnte ich meine Partnerin nicht auf diese phantastische Reise mitnehmen, was vom Reiseanbieter aus selbstverständlich gegen reguläre Bezahlung für eine zweite Person ok gewesen wäre und den Bericht nicht beeinträchtigt hätte. Doch das Risiko, gemeinsam knapp vier Wochen nicht in Deutschland zu sein, war einfach zu groß unser selbsternannter Gegner hätte es ausnutzen und später wieder blöde Sprüche kloppen können von wegen "wir sollten halt Leute einstellen, die für uns die Abmahnungen entgegennehmen, wenn wir nicht zuhause sind". Nachbarn können zwar die Blumen füttern, die Katze gießen und aufpassen, daß keine Einbrecher kommen – die ohnehin nichts finden würden außer ein paar alten Rechnern, aber das wüßten sie ja erst nachher – aber für einen vor Gericht gehen können die Nachbarn natürlich nicht.

Wenn wir mal so wie Helga auf Hochzeitsreise gehen, müssen wir wohl vorher einen Anwalt mit einer vier Wochen geltenden Verfügung gegen den Mäusesender beauftragen es nervt tierisch, wenn man nicht mehr gemeinsam in Urlaub gehen kann, nur weil man für die Mails eine eigene Internetdomain hat...

Mit der Reise selbst lief allerdings alles bestens, von kleinen Unpäßlichkeiten wie der Gefahr, in einem Taifun unterzugehen, mal abgesehen. Nur mit der Veröffentlichung des Berichts wollte es nicht klappen: Die Redakteurin in Hamburg vertröstete mich, bekundete dann, wegen Urlaub und "weil der Schreibtisch so voll sei" mein Manuskript nicht zu finden und verwechselte mich auch noch mit einer Expeditionsfahrt in die Antarktis.

Gebrochene Zusagen

Die faule Nummer mit dem vollen Schreibtisch kenne ich leider nur zu gut. Mein erster Buchverleger war morgens nicht ansprechbar, weil zu verkatert, nachmittags, weil zu besoffen und mittags "weil der Schreibtisch so voll ist". Statt mein Buch zu drucken, soff er sich zu Tode nein, an meinem Buch lag es nicht, ehrlich!

Die Redakteurin in Hamburg lebt dagegen noch. Aber nach etlichen Monaten hartnäckigem Hinhaltens, in denen ich deshalb den Text auch nirgends anders anbieten konnte, erklärte sie mir schließlich, sie habe mein Manuskript zwar gar nicht gelesen, aber es sei textlich ungeeignet.

In Wirklichkeit gab es zwei andere Probleme: Ich arbeitete mittlerweile für die Konkurrenz und im Reisejournalismus wird unabhängig von der natürlich durchaus auch relevanten Textqualität über eine solche Reise nur dann berichtet, wenn kein Anzeigenkunde mit dieser Firma im Wettbewerb steht.

Und da hatte Society Expeditions leider die A....karte gezogen: Fast überall gab es bereits Kontakte zu Wettbewerbern für die Polartouren. Und damit hatten die einzigartigen, nur bei Society Expeditions angebotenen Tropenfahrten ebenfalls keine Chance, redaktionell irgendwo in den großen Zeitschriften unterzukommen. Nur kleinere lokale Zeitungen boten teilweise noch Möglichkeiten, doch auch diese nehmen heute meist nur im Paket billig eingekaufte Reiseberichte der dpa-Tochter "gms" und keine Berichte unabhängiger Journalisten.

Konkurs von Society Expeditions

Als ich 2004 nun bei Telepolis den Reisebericht bringen wollte, war es zu spät: Weil die Buchungen angeblich zu gering waren zumindest im Frühjahr 2004 war die World Discoverer nur halb ausgebucht gewesen, im Herbst 2004 jedoch wieder voll sperrte die fernöstliche Bank im Sommer 2004 den Kredit, indem sie das von ihr beliehene Schiff auf einer Alaska-Kreuzfahrt vor den Augen der Gäste beschlagnahmen ließ. Damit war Society Expeditions die Existenzgrundlage komplett entzogen und der Konkurs unvermeidlich. Und der Bericht nun auch für Telepolis nicht mehr interessant, obwohl dort das Problem des konkurrierenden Werbekunden nicht bestanden hätte.

Andere Reiseveranstalter haben später versucht, wieder Touren mit der "World Discoverer" anzubieten. Leider nur noch normale Kreuzfahrten oder Polar- und Antarktistouren und nichts den wissenschaftlichen Südseeexpeditionen von Society Expeditions Vergleichbares. Doch selbst das blieb in der Planung stecken, da die Eigentumsverhältnisse des Schiffes seit der Beschlagnahme in Alaska unklar sind und kein Veranstalter mehr eine ähnliche, imageschädigende und finanziell vernichtende Beschlagnahme vor den Augen der Reisegäste riskieren will.

Ich habe mich sehr über diese Entwicklung geärgert, die ein lobenswertes Unternehmen zerstört hat, das ohne die Blockade der Reiseberichte durchaus eine Chance gehabt hätte; rückgängig machen kann ich sie nicht. Den für den S..... geschriebenen Text stelle ich nun hier online. Kostenlos, gratis, aber hoffentlich nicht umsonst. Falls mein selbsternannter Intimfeind Fritz Pleitgen, der sich ja selbst gerne als Reisejournalist feiern läßt, hier deshalb wieder kommerziellen Wettbewerb sieht und ARD und ZDF als einzige deutsche Webseiten sehen will, damit er dafür TV-Gebühr kassieren kann, sei er gewarnt: Ich könnte dann glatt vergessen, daß es sich nicht lohnt, Leuten in seinem Alter noch etwas anzutun.

Das gilt übrigens ebenso auch für alle anderen möglichen Störenfriede. Ich weiß, daß der Neid der "grey suits", der "Agent Smiths" auf jeden normalen, trotz widriger Umstände noch kreativen und nicht verbitterten Menschen, groß ist.

Allen, die keine bösen Absichten gegen mich haben, wünsche ich aber nun viel Spaß beim Lesen der Texte! Und bitte daran denken, daß diese "historisch" sind, man also diese Reise leider nicht mehr machen kann, auch wenn es noch so im Text steht...

-> weiter: 1. Lehrreiches Inselhopping

 
 
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