1. Lehrreiches Inselhopping
Die Südsee ist ein klassisches Traumziel – Gedanken an das verlorene Paradies, an Java, Tahiti, Bora-Bora und Gauguin kommen auf. Doch wie kann man Südsee-Inseln heute noch authentisch und trotzdem komfortabel besuchen und ihr wahres, nicht verkitschtes Gesicht sehen, statt in einem Hotelghetto oder All-Inclusive-Hüttendorf fest zu stecken? Mit dem Schiff!
Natürlich geht eine solche Schiffsreise nicht ab Deutschland – auch wenn das Expeditionskreuzfahrtschiff „World Discoverer“ einer Bremer Reederei gehört, wäre die Fahrt von dort etwas langwierig. Per Flugzeug ist die Anreise komfortabler und schneller. Tatsächlich durchfährt das Schiff im Laufe eines Jahres einmal die ganze Erdkugel: im hiesigen Sommer die Arktis, im hiesigen Winter die Antarktis, wenn auf der Südhalbkugel Sommer ist und im Frühjahr und Herbst die Tropen. Durch die Südsee kreuzt die World Discoverer folglich zweimal im Jahr: Im Frühjahr von der Südhalbkugel nach Norden, wozu die Reise gehörte, die Sie mit uns in den nächsten Wochen nacherleben können, im Herbst dagegen in Gegenrichtung.

Lagebesprechung vor der Abfahrt: Diese Route wird die Kreuzfahrt nehmen
Bei „Kreuzfahrt“ denken die meisten entweder an Ballermann-Halligalli oder an einen Rentnerausflug. Eine Expeditionskreuzfahrt ist jedoch etwas ganz anderes: Hier kann man sich wie Käpt’n Cook fühlen, jedoch mit dem entscheidenden Vorteil, sich nicht wie jener von verfaulendem Pökelfleisch ernähren zu müssen und am Ende auch nicht von den Wilden auf Hawaii erschlagen zu werden. Nein, auch die ehemaligen Kannibalen sind heutzutage ganz brav – sofern man die Reise nicht mit einem ungedeckten Scheck bezahlt hat, versteht sich.
Zodiacs werden für eine bevorstehende Anlandung zu Wasser gelassen
Im Vergleich zu einem normalen Kreuzfahrtschiff sind die Expeditionsschiffe kleiner, wendiger und – für Fahrten in die Antarktis – eistauglich. Die World Discoverer kann so maximal 175 Gäste an Bord nehmen und 105 Crewmitglieder, wozu auch das Expeditionsteam gehört. Angelandet wird dabei meistens nicht mit dem Schiff selbst, sondern mit „Zodiacs“, von Jacques Cousteau entwickelte leistungsfähige Schlauchboote. Damit ist kein Strand zu flach und keine Einfahrt zu eng – man ist nicht auf touristisch erschlossene Häfen mit Kais und Anlegestegen angewiesen.
Auf Expedition im Geiste Jacques Cousteaus
Die Fahrt im Zodiac ist zugegeben für Landratten gewöhnungsbedürftig – man sitzt für die meist nur wenige Minuten dauernde Überfahrt auf dem Schlauchbootrand und hält sich nur an einem Seil fest. Doch ist der einzig kritische Moment der Übergang vom Schiff ins Zodiac – untergehen können die Schlauchboote ohnehin praktisch nicht, weil sie acht unabhängige Luftkammern haben und umgekippt ist in den letzten drei Jahren auch keines. Damit Kameras oder Badeutensilien nicht nass werden oder gar versehentlich über Bord gehen, bekommen die Reisenden spezielle Rucksäcke.

Die „nasse Anlandung“ im Zodiac wird so genannt, weil die Füße beim Aussteigen nass werden können. Doch das stört im warmen Südseewasser niemand und das Aussteigen am Sandstrand ist viel einfacher als bei normalen festen Beibooten.
Bei heftigerem Seegang kann man sich – unter leichtem Abzug bei B-Note und Coolness – auch auf den Boden des Schlauchboots setzen. Doch das Ergebnis der Überfahrt entschädigt – solche Reisen sind mit einem großen Schiff nicht möglich und auch nicht mit einer eigenen Yacht, da man für diese an touristisch nicht erschlossenen Traumstränden überhaupt keine Anlandeerlaubnis bekommt. Schließlich sollen deren Einwohner nicht fortlaufend durch das zwar finanzkräftigere, doch ebenso störende maritime Äquivalent des Rucksacktouristen gestört werden. Auch das Risiko des Einschleppens von Pflanzen- und Tierseuchen, weshalb das Mitbringen eigener Lebensmittel auf die Inseln streng verboten ist, spricht gegen Reisen auf eigene Faust.

Willkommen zurück an Bord: Gleich wird das Zodiac nach dem Inselausflug wieder am Schiff vertäut
Bei der Expeditionskreuzfahrt wissen die Einheimischen dagegen, dass Besuch kommt, auf den sie sich dann auch vorbereiten und freuen, zumal die Expeditionskreuzfahrten Geschenke für die Einwohner wie Lehrmaterial für die Schulen mitbringen. Auch Gegner von geführten Pauschalreisen werden zugeben, dass ein Besuch der Inseln per Expedition weit weniger die traditionellen Lebensweisen stört als der auf eigene Faust. Zudem hat eine Expeditionskreuzfahrt einen hohen wissenschaftlichen Anspruch und es sind für alle Fachgebiete von Meeresbiologie über Geologie und Ethnologie bis zur Vogelkunde fachkundige Lektoren an Bord, die die Reisenden an Bord auf den Landgang vorbereiten, dort auch Führungen anbieten und darauf achten, weder Flora, Fauna noch Einwohner über Gebühr zu belästigen.
Urlaub mit hohem wissenschaftlichen und kulturellen Anspruch
Natürlich hat dieser Aufwand seinen Preis: Eine Vergnügungskreuzfahrt kostet nur einen Bruchteil einer Expeditionskreuzfahrt und auch die Flüge sind teurer, da das Schiff ja nicht hin- und herkreuzt, sondern eine Route abfährt, weshalb der Rückflug auf einer anderen Strecke stattfinden muss als der Hinflug und bei den Südsee-Reisen de facto zwei Einweg-Flüge um den ganzen Erdball gebucht werden. Mit dem ausschließlichen Startpunkt Flughafen Frankfurt und günstigen Buchungskontingenten seitens der Reederei ist es jedoch möglich, noch einige Tage in Luxushotels ohne Mehrkosten gegenüber dem reinen Flug hinzu zu bekommen, die bei der Zeitumstellung (Jetlag!) sehr hilfreich sind – immerhin liegt die Südsee nicht nur den Breitengrad betreffend auf der anderen Erdhalbkugel, sondern ebenso beim Längengrad: Es ist Tag, wenn bei uns Nacht ist und Sommer, wenn bei uns Winter ist. Letzteres spielt allerdings in den Tropen kaum eine Rolle – viel wichtiger ist es, die Taifunsaison zu vermeiden.

Es geht an Bord der World Discoverer: Die Expedition beginnt
Der Reiseveranstalter Society Expeditions wurde 1974 als „Society for the Preservation of Archaealogical Monuments” gegründet, um fünf Reisegruppen auf die Osterinsel zu bringen und so Geld für die Restaurierung der riesigen Steinstatuen dort zu sammeln. Wegen großen Interesses erweiterte man bald das Programm und erwarb 1980 die „World Discoverer“. 1987 und 1988 wurden dabei auch Informationen über das Walvorkommen in den Meeren gesammelt, 1988 und 1989 entdeckten mitreisende Archäologen und Tauchlehrer unbekannte Kultstätten sowie die 1881 gesunkene Arcadia und halfen, Passagiere der in der Antarktis auf Grund gelaufenen Bahia Paraiso zu retten.
Am 30. April 2000 lief die World Discoverer jedoch in den Solomon-Inseln auf ein nicht in den Seekarten verzeichnetes Riff, wobei sie zwar nicht stark beschädigt, doch nach Abreise der Gäste bereits vor der Anreise des Reparaturteams infolge der dortigen instabilen politischen Situation von Einheimischen bis auf die letzte Schraube geplündert wurde und deshalb aufgegeben werden musste. Es dauerte zwei Jahre, bis die einst als schwimmendes Tagungshotel von Samsung gebaute Dream 21 zur heutigen World Discoverer umgebaut werden konnte. Seitdem führt die Südsee-Fahrt von Vanuatu an den Solomonen vorbei direkt zu den Inseln vor Papua-Neuguinea und weiter nach Yap und Guam. Davon mehr nächste Woche.

Angenehm, praktisch und komfortabel: Eine Kabine mittlerer Preisklasse auf der World Discoverer

Eine Sitzbadewanne mag in der Südsee zwar unnötig erscheinen, bietet jedoch bei Seegang gegenüber einer Duschkabine taktische Vorteile

Der luxuriösen „Owner’s Suite“ mangelt es nicht an Fenstern

Vortrags- und Versammlungsraum „Discoverer Lounge“

Ein Drink an der Bar mundet mitunter auch Expediteuren
Mehr Fotos und auch Videos gibt es auf den Bilder-Seiten!
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