Mit der "World Discoverer" auf Expeditionskreuzfahrt nach Vanuatu und Papua Neu-Guinea
 
 

 

 
 

2. Frankfurt – Los Angeles – Nadi

18 Tage per Expeditionsschiff von Südsee-Insel zu Südsee-Insel gondeln – ein Traumurlaub. Nach einer amüsanten Bahnfahrt war jedoch erst mal der längste Teil der Reise angesagt – kilometermäßig...

Die Expeditionskreuzfahrt startete auf den Fidschi-Inseln und ging in 18 Tagen an Bord bis Guam. Die eigentliche Reise begann jedoch schon 5 Tage eher: mit der Bahn nach Frankfurt. Gegenüber am Tisch eine sehr natürliche junge Dame, die Personalwesen büffelte, ihre Familie besuchen wollte und eine enorme Menge Koffer über das halbe Abteil verstreut hatte.


Blick über Los Angeles vom Getty-Museum aus

Kurz vor Frankfurt konnten dann auch Frauenkenner noch dazulernen: Plötzlich wuchtete die Gute einen Schrankkoffer auf den Tisch und durchwühlte eine Ausstattung, die einer Polarexpedition jede Ehre gemacht hätte – aber war denn nicht ich der, der hier auf Expedition gehen wollte? Zielsicher wurden geeignete Kleidungsstücke herausgepickt und zum Umziehen ins WC mitgenommen. Die nette Personalerin in spé kam jedoch nicht mehr wieder, stattdessen setzte sich einige Minuten später unerwartet eine elegant gestylte schicke Blondine an den Tisch und räumte das ganze Chaos wieder auf – die Verwandlung hätte einem Schauspieler alle Ehre gemacht.

Aussteigen ist nicht immer einfach – schon gar nicht in Frankfurt

Nun hatten wir ein gemeinsames Problem: Keiner wurde abgeholt – und beide hatten wir Gepäck in zu vielen Teilen dabei, um beim kurzen Halt elegant und schnell auszusteigen. „Ach, das macht nichts, ich bin ja schließlich eine Blondine“ meinte die junge Dame kokett, „da wird schon einer helfen“. Fehlkalkulation: Außer mir, der ich bereits genug eigene Koffer zu bändigen hatte und dies auch halbwegs unfallfrei schaffte, nahm niemand von der Notlage Notiz, sodass plötzlich sechs gestapelte Koffer samt Blondine nur bedingt elegant unter großem Getöse und Verlust des Gleichgewichts aus der Zugtüre auf den Bahnsteig purzelten. Jetzt sprangen die erhofften Kavaliere endlich zu Hilfe. Es reicht heutzutage halt nicht mehr, nur intelligent und gut aussehend zu sein, um wahrgenommen zu werden – etwas Show gehört auch noch dazu...

Auf den Berg zum Museum fahren alle 5 Minuten selbstfahrende Wagen: Man kann zur „Fahrerkabine“ hinaussehen

Das Getty-Museum bietet neben seinen Kunstschätzen auch eine interessante Architektur und einen Gartenpark samt einem Heckenlabyrinth im See

Wer behauptet, beim Reisen vergehe die Zeit stets wie im Flug, ist sicher noch nicht nach Australien oder Neuseeland geflogen. Ungefähr diese Entfernung stand jetzt nämlich bevor, doch immerhin in zwei Happen: Erst 11 Stunden bis Los Angeles und dann noch einmal 11 Stunden weiter mit Air New Zealand. In „LA“ einige Stunden Aufenthalt, die nach der USA-Immigration zu einer Kurzvisite des sehr interessanten Getty-Museums genutzt werden konnten, nachdem erst einmal das Gepäck ausgecheckt und Richtung Fidschi wieder eingecheckt war – Gepäck- und Passagiere-Durchchecken im Transit wie im „alten Europa“ kennen die USA ja schließlich nicht. Außerdem durfte das Gepäck wegen der verschärften US-Sicherheitsbedingungen nicht abgesperrt sein.

„Bula!“ – Willkommen auf Fidschi

Die Ankunft in Nadi auf Viti Levu, der Hauptinsel Fidschis, ist mitten in der Nacht – trotzdem gibt es einen Begrüßungskranz mit dem Willkommensgruß „Bula“ und es geht ab ins nahe am Flughafen und dennoch ruhig gelegene Sheraton Fiji Resort. Im Seerosenteich vor dem Fenster fühlen sich auch Frösche und Mücken wohl – man flüchtet trotz auch nachts um drei noch angenehmen Temperaturen schnell ins Innere.


Sonne, Palmen, Strand: Sheraton Fiji Resort


Eine Babypalme entsteht direkt neben dem Liegestuhl aus einer Kokosnuss und die bunten Piepmätze kennen auch keine Scheu


Sonnenuntergang am Strand


Sonnenuntergang in Fidschi: Ebenso entspannend wie der Tag


Für die Nacht wird im Resort die Straßenbeleuchtung angeknipst

Zwei Tagen Badeurlaub lassen die Flugstrapazen vergessen und helfen bei der Zeitumstellung, denn später ist es wichtig, tagsüber wach zu sein: Nur dann ist man auf den Inseln, nach Einbruch der nahe dem Äquator pünktlich um 18 Uhr eintretenden Dunkelheit dagegen stets an Bord. Dies zusammen mit der praktisch durchgehenden Bewirtung an Bord erspart viele der in den Tropen üblichen Probleme, von der nächtlichen Mückenplage – von Mücken wird man auf offener See nicht mehr behelligt – bis zu „Montezumas Rache“.


Dschungel zum Anfassen: Der „Garten des schlafenden Riesen“


Der „Garten des schlafenden Riesen“: Auf diesem Weg dürfte der Riese wandeln, wenn er wach ist...

Das Resort wird gerade in rosa-orange neu gestrichen und ein Arbeiter ist sehr interessiert, wie es sich denn in Deutschland lebe, er wolle das Land unbedingt mal sehen. Nachdem ich ihm von den niedrigeren Temperaturen, dem Regen, der Hektik und den hohen Preisen erzählt habe, gewinnt er jedoch wieder deutlich mehr Freude an seinem Anstreich-Job im Paradies. Auf Fidschi geht es – schon der tropischen Temperaturen wegen – immer etwas langsamer zu als bei uns, „Fiji time“ nennt sich das. Dennoch sind die zwei Tage viel zu schnell um. Vor dem Einschiffen steht aber noch etwas Kultur auf dem Programm: Zunächst den „Garten des schlafenden Riesen“, in dem 2000 der weltweit bekannten 20.000 Orchideenarten sowie andere tropische Pflanzen zu sehen sind und dann das historische Fidschi-Dorf Viseisei.

Kava – das Nationalgetränk Fidschis

Neben einem Begrüßungstanz erleben wir eine Kava-Zeremonie. Kava ist ein nichtalkoholisches, aber dennoch betäubendes Getränk, das ursprünglich durch das Zerkauen der Wurzel der Pfefferpflanze und Ausspucken des Saftes gewonnen wurde und dann zu wichtigen Anlässen wie Geburten, Sterbefällen, der Ernennung neuer Häuptlinge oder eben Besuchen gereicht wird. Da diese Art der Zubereitung aber bei westlichen Besuchern auf wenig Freude stieß, wird die Wurzel mittlerweile in einer großen Holzschale mit einem Mörser zerstoßen.


Der Kava-Trank wird in einer Holzschüssel durch Zerstoßen der Wurzel des Pfefferstrauches zubereitet


Kava-Zeremonie: Während der Gast seine Schüssel Kava trinkt, klatschen die Gastgeber dreimal in die Hände

Allerdings wird Kava von den Einheimischen auch im Alltag in geselliger Runde mit weniger rituellem Vorspiel getrunken, ähnlich Bier in unseren Kneipen. Die möglichen Probleme bei ständigem Kava-Genuss sind ebenfalls ähnlich, allerdings macht das Getränk im Gegensatz zu Alkohol nicht aggressiv. Die Menge, die man bei einem Ritual gereicht bekommt, reicht jedoch maximal, um Lippen und Zunge etwas taub zu machen, mehr wird man nicht spüren. Dennoch sind wir nun reif zum Einschiffen.


Begrüßungstanz – friedlich und in bester Absicht. Abstand zu halten ist dennoch ratsam.

Fidschi liegt am Übergang von Polynesien zu Melanesien. Das Klima ist tropisch-ozeanisch mit 75% Luftfeuchtigkeit und Temperaturen zwischen 20 und 30°C. Die insgesamt 322 zu Fidschi gehörenden Inseln, von denen 106 bewohnt sind, verteilen sich über ein Gebiet von knapp 1,3 Millionen Quadratkilometern im Pazifik, Viti Levu enthält jedoch bereits 50% der Fläche und 75% der Einwohner des Inselstaats, die Nachbarinsel Vanua Levu weitere 30% der Fläche und 18% der Einwohner, die erstmals um 1500 v. Chr. einwanderten. 500 v. Chr. kamen Melanesier hinzu. Der Häuptling führt den Stamm an und vererbt seine Macht an seinen Sohn – Frauen waren dagegen Handelsware.

Abel Tasman erblickte Fidschi bereits 1643, doch erst über 100 Jahre später ging Käpt’n Bligh – die Meuterei auf der Bounty bereits hinter sich – hier an Land. 1804 wurden reiche Sandelholzvorkommen entdeckt und bis 1814 komplett kahlgeschlagen. Ab 1860 legten die Europäer Baumwollplantagen an, 1874 wurde Fidschi zu einer britischen Kolonie. Statt Sklaven wurden bis 1916 indische Arbeiter ins Land geholt, die heute die Hälfte der Bevölkerung stellen. 1970 bekam Fidschi die Unabhängigkeit.


Die traditionellen Dächer der Fidschi-Häuser erinnern an Schiffe oder mit Knochen hochgedrehte Frisuren

Mehr Fotos und auch Videos gibt es auf den Bilder-Seiten!

-> weiter: 3. Vanuatu – Land der Vulkane

 

 
 
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