Mit der "World Discoverer" auf Expeditionskreuzfahrt nach Vanuatu und Papua Neu-Guinea
 
 

 

 
 

3. Vanuatu – Land der Vulkane

18 Tage per Expeditionsschiff von Südsee-Insel zu Südsee-Insel gondeln – ein Traumurlaub. Wir verlassen Fidschi und kommen nach Vanuatu – dem Internet-Surfer höchstens durch den Landeskenner .vu bekannt.

Die World Discoverer ist erstklassig eingerichtet, ohne deshalb mit übertriebenen Luxus abzuschrecken. Selbst Schnorchelausrüstungen sind an Bord – ein großer Vorteil bei nur 20 Kilo Freigepäck. Wir besuchen zunächst noch eine Fidschi-Insel, Sawa-I-Lau in der Yasawa-Gruppe und lernen dort mehr über Flora, Fauna und Sitten der Einwohner. Am Nachmittag schwimmen wir in einer kathedralenähnlichen Höhle mit kühlem Brackwasser. Wer sich traut, kann in eine zweite Höhle durchtauchen, die von außen nicht erreichbar ist und im Dunkeln liegt.


Zugang zur Felsenhöhle auf einer Nebeninsel

Danach ist ein Tag auf See angesagt, um nach Vanuatu zu gelangen. Die Lektoren halten Vorträge auf Deutsch und Englisch – auch Reisende, die sich nicht mehr vor der Expedition informieren konnten, kommen so auf ihre Kosten, zumal das Schiff auch eine reichhaltige Bibliothek mit teils auch rar gewordenen Büchern zum Thema hat. Wem das Sitzen in den verdunkelten Vortragsräumen im Zusammenhang mit dem leichten, aber ungewohnten Seegang Probleme bereitet, kann den Voträgen auch in der Kabine auf flimmerfreien LCD-Fernsehern folgen.

Ein schöner Untergang? Lieber nicht – oder doch?

Gegen Abend erschreckt der Sicherheitsoffizier die Besatzung, als er auf die Brücke kommt und verkündet „Heute gibt es noch einen schönen Untergang!“. Glück gehabt: Er meint nur die Sonne und nicht das Schiff. Und er soll Recht behalten. 


Volle Fahrt voraus – in den sicheren (Sonnen-) Untergang


Rosa Wolken, blauer Himmel, grünes Wasser: Die Farben der Dämmerung im Pazifik


Ein Bounty-reifer Sonnenuntergang

Unser Schiff und alle Mitreisenden müssen zunächst in Vanuatu einklariert werden, wofür wir allerdings bereits lokale Beamte an Bord genommen haben. Als wir schließlich auf der Insel Ambrym ankommen, erwarten uns die Einheimischen bereits in ihren Auslegerkanus. Weniger über unsere Ankunft freut sich ein Australier, der unerlaubt mit seiner Yacht die Insel besucht hat und von den Offiziellen an Bord entdeckt wird.  


Die Gipfel der Vulkane von Vanuatu sind meist in Wolken verborgen


Es mag zwar nicht so aussehen, doch diese Einbäume mit Auslegern sind absolut seetüchtig


Ambrym: Schwarzer Lavasand sorgt für fruchtbare dichte Wälder


Schwarzer Sand ist nichts für Barfußgeher


Da über aktiven Vulkaninseln meist Wolken hängen, herrscht eine dramatische Stimmung


Verscheuchen böse Geister – und neugierige Kameramänner: Tänzer auf Ambrym


Diese Symbole – die nur jeweils ein Maler exklusiv wie ein Familienwappen benutzen darf – werden in einem Zug ohne Absetzen in den Sand gezeichnet

Ambrym hat gut 30 Kilometer Durchmesser, doch die Vulkankegel des Inselbergs gehören zu den aktivsten der Welt und sind bis zu 1270 Meter hoch – im Gegensatz zu Koralleninseln sind Vulkaninseln ziemlich steil. Wir besuchen das Dorf Ranon und werden in einem Wald in den Bergen Zeuge des Rom-Tanzes. Dieser ist ein einmal jährlich stattfindender Initiationsritus und eigentlich gar nicht für Zuschauer ausgelegt: Er wird im Kreis mit den Rücken der Tänzer nach außen getanzt. Auch die lokale String-Band spielte im Kreis mit den Rücken zu den Zuschauern.

Urahnen der Bungeespringer: Die Landtaucher von Pentecost

Am nächsten Tag steht einer der Höhepunkte der Reise an: Wir werden in der Nähe des Dorfes Wanur auf der Insel Pentecost die Landtaucher sehen. Diese sind die Vorläufer der Bungee-Springer Neuseelands: Junge Männer springen einmal im Jahr von bis zu 40 Meter hohen Holztürmen in die Tiefe, ihre Beine von Lianen so gesichert, dass sie gerade noch mit den Haaren oder der Stirn den Boden berühren – nur das sichert die Fruchtbarkeit der unmittelbar bevorstehenden Yams-Ernte. Da an abschüssigen Hängen gesprungen wird, überstehen die Landtaucher es meist auch unverletzt, wenn eine der spröden Lianen bricht. Damit niemand am Verunglücken eines anderen schuld sein kann, sucht sich jeder Springer seine Lianen selbst. Dabei ist die richtige Jahreszeit sehr wichtig: Als 1976 Queen Elisabeth die Inseln besuchte, wurde für den hohen Besuch extra zu einem anderen Datum außer der Reihe gesprungen, wobei sich ein Landtaucher das Genick brach, als seine Liane riss – die Königin war schockiert und reiste sofort ab. 


Der Sprung in die Tiefe – wie vom 10-Meter-Brett, aber ohne rettendes Wasser...

 


Nur noch zwei Meter trennen den Landtaucher vom Waldboden


Der letzte Springer – rechts im Bild in westlicher Kleidung – hat den Sprung heil überstanden. Traditionell tragen in der Südsee die Frauen keinen BH, dafür die Männer einen „PH“.

Der Anstieg und der Aufenthalt am Sprungturm erforderten Kondition, da das Gelände stark abschüssig war und die interessanten Plätze keinen Schutz vor der heute sehr intensiven Sonne boten. Doch keiner der Besucher rutschte den Hang hinab und alle Landtaucher überstanden den Sprung unverletzt – auch der letzte, der am höchsten sprang und bei dem gleich beide Lianen rissen.


Der Bass einer Stringband besteht nur aus einer Saite – daher der Name

Vanuatu bedeutet übersetzt „ewiges Land“ und besteht aus einer Kette von 82 üppig begrünten Vulkaninseln, die sich über eine Strecke von 1300 Kilometern und eine Fläche von 12.200 Quadratkilometern verteilen, von der die zwölf größten Inseln bereits 93% ausmachen. Die Inseln wurden ab 3000 v. Chr. besiedelt, die Ehefrauen wurden als Besitz der Männer zwischen den Dörfern ausgetauscht.

1606 entdeckte der Spanier Fernandez de Quiros als erster die Inseln, hielt sie aber für einen Kontinent und ging im Streit mit den Einwohnern. Erst mit Bougain 1768 und Cook 1774 wurde dieser Irrtum aufgeklärt – Cook gab den Inseln den Namen „Neue Hebriden“. Von 1825 bis 1865 wurden die Sandelholzwälder kahlgeschlagen und wie bei den Indianern in Nordamerika von den Eroberern teils absichtlich mit Krankheiten infizierte Kleidungsstücke an die Einheimischen verteilt. Obwohl diese daraufhin weitere Neuankömmlinge kurzerhand erschlugen, sank ihre Zahl von 500.000 auf 40.000. Erst 1980 wurde Vanuatu unabhängig und1983 zur ersten atomfreien Zone im Südpazifik erklärt: Nicht nur Atomwaffen, auch nukleargetriebene Schiffe, Kernkraftwerke und Atommülllager sind verboten. 98% der Bevölkerung sind Melanesier.

Mehr Fotos und Berichte von Vanuatu finden sich auf Helga Immerz’ Homepage über ihre Vanuatu-Hochzeitsreise. Außerdem gibt es natürlich mehr Fotos und auch Videos von den Landtauchern auf den Bilder-Seiten vom 8. und 9. Mai 2003

-> weiter: 4. Ohne Steuerrad auf hoher See

 

 
 
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