4. Ohne Steuerrad auf hoher See
18 Tage per Expeditionsschiff von Südsee-Insel zu Südsee-Insel gondeln – ein Traumurlaub. Von Vanuatu geht es mit der World Discoverer weiter nach Papua Neu-Guinea.

Die Wege durch die Insel Loh sind sehr gepflegt angelegt
Vor unserem Abschied von Vanuatu steht noch Loh auf dem Programm. Diese zur Torres-Gruppe gehörende Insel hat keine schwarzem Vulkansandstrände mehr, sondern weißen Korallensand. Hier wurden wir von einem Frühstücksbuffet aus Bananen, Pampelmusen, Papaya und gekochtem Palmendieb empfangen. Letzterer schmeckt so gut und ist so wenig gegen Angriffe geschützt und leicht zu fangen, dass er auf den meisten Inseln bereits ausgerottet ist. Deshalb verzichteten wir darauf, diese Delikatesse zu probieren.

Gekochter Palmendieb am Buffet – doch keiner der Besucher wollte dieses kurz vor dem Aussterben befindliche Tier probieren
Palmendiebe sind Landeinsiedlerkrebse und die größten wirbellosen Landtiere der Welt. Ihr Rumpf wird bis zu 30 Zentimeter lang, die Gesamtlänge kann bis einem Meter betragen und das Gewicht bis zu 3 Kilogramm. Während der Palmendieb in der Jugend seinen Hinterleib noch mit geliehenen Schneckenhäusern schützt, versteckt er ihn ausgewachsen unter dem Vorderkörper. Er ernährt sich von Vogeleiern, Küken und – was zu seinem Namen führte – Kokosnüssen, welche er selbst aus den Palmenkronen abzwickt, die Fasern mit seinen Scheren entfernt und ein Loch in die Nuss sprengt. Danach lutscht er die Kokosmilch aus und kratzt das Fleisch aus der Nuss.

Begrüßungs-Kreistanz mit kunstvoll gefärbten Haaren
Nun wurden Tänze gezeigt, bei denen die Tänzer im Kreis um die Band herumliefen und dabei ihre Haare oder Kappen sehr farbenprächtig gefärbt hatten. Schon nach kurzer Zeit durften auch die Besucher mitmachen. Danach konnten wir die Höhle besichtigen, in der die Inseleinwohner 1988 ein halbes Jahr zusammen mit den zahlreichen Fledermäusen verbrachten, nachdem die Insel von einem Wirbelsturm verwüstet worden war.

Von Fledermäusen bewohnte Schutzhöhle auf Loh
Der Kapitän hat ein Rad ab
Da die Salomonen seit dem Verlust der ersten World Discoverer nicht mehr angefahren werden, ging es nun direkt nach Papua Neu-Guinea, was zwei Tage auf See bedeutete. Die World Discoverer hat eine Politik der offenen Brücke: Auf offener See darf man jederzeit die Brücke besichtigen und Kapitän und Mannschaft bei der Arbeit zusehen, nur in den Häfen und bei schwieriger Wetterlage ist die Brücke für die Passagiere tabu. Doch wenn alles glatt geht, ist die Fahrt über das offene Meer im Pazifik eine sehr entspannte Angelegenheit.

Der Computer steuert – Kapitän Peter Gluschke kann entspannt die Beine hochlegen und Zeitung lesen
Natürlich wird so ein Schiff heute nicht mehr mit dem Steuerrad gesteuert, sondern mit dem Computer – selbst der joystickähnliche Knüppel ist nur die Handsteuerung für den Notfall. Trotzdem ist es ein etwas mulmiges Gefühl, als das Steuerrad lackiert werden soll und der Kapitän es daher – damit es nicht auf der Brücke nach Farbe stinkt oder gar jemand an dieser kleben bleibt – mal eben bei voller Fahrt abmontieren lässt. Bei Busreisen glücklicherweise undenkbar!

Das Steuerrad wird zum Lackieren bei voller Fahrt abgeschraubt. Tipp an alle Manta-Fahrer: Bitte nicht nachmachen!
Als es nach Papua Neu-Guinea geht, ist neben den Einreisebeamten auch ein Bankbeamter an Bord, bei dem man sich seine Euro oder Dollar in Kina wechseln lassen kann – die Währung Papua Neu-Guineas. Doch sind die amerikanischen Gäste so einkaufswillig, dass nach kurzer Zeit die Bank gesprengt ist und die weniger finanzkräftigen europäischen Gäste auf den Inseln erst mal mit Dollars zu schlechterem Wechselkurs zurechtkommen müssen. Der Kaufrausch der Amerikaner hat dabei durchaus pragmatische Gründe: während wir beim Fliegen mit 20 Kilo Freigepäck auskommen müssen und daher nur kleine leichte Schnitzereien mitnehmen können, sind für US-Bürger zweimal 32 Kilo gestattet.

Mit den Samen der Barringtonie wurden früher Fische gefangen, indem man sie damit betäubte. Heute ist dieses Fischvergiften verboten.

Dieser pastellgelbe Pfeifenreiniger gehört zum pazifischen Mandelbaum
Meine Kabinennachbarn – ein amerikanisches Buchverlegerehepaar – können diese unfreiwillig voll ausnutzen: Ausgerechnet ihnen waren die neuen Sicherheitsbestimmungen nicht bekannt, sie hatten ihre Koffer versperrt. Daraufhin wurden diese zur Kontrolle gewaltsam aufgebrochen und da sie sich nun nicht mehr verschließen ließen, gingen von fünf mitgenommenen Fotoausrüstungen vier verloren – nur eine Digitalkamera blieb übrig, doch deren Akkus sind nach 2 Tagen leer und auch das Ladegerät ist weg. Für den Rest der Reise werde ich ihre Akkus laden und ihnen später auch sechs CDs mit meinen Bildern für ihr Buch schicken. Honorar bekomme ich "natürlich" keins...

Sonne und Regen können sich in der Südsee schnell abwechseln: Dieses Sonnenbad an Deck der World Discoverer wurde zwei Minuten später zur Dusche!
Weniger Glück habe ich im Bad: Die Fidschi-Akkuladung meines Philishave ist aufgebraucht, doch beim Anstecken an die Rasierersteckdose verabschiedet sich das edle Teil unerwartet mit Geprassel, einem Knall und einer kleinen Rauchwolke. Christian vom Expeditionsteam, der aus Frankfurt kommt und nun auf den Osterinseln wohnt, wenn er nicht die Gäste der World Discoverer begleitet, ist angenehm überrascht, dass sich meine Gesichtsbehaarung nun expeditionsmäßig wie seine entwickelt – eine ältere schweizer Dame ist dagegen empört und will nicht mehr mit mir am Tisch sitzen. Mein Expeditionsgeist geht jedoch nicht so weit, nun ausgerechnet bei Seegang eine Nassrasur zu versuchen, zumal meine zuhause gebliebene Partnerin, mit der ich über die kostenlose Bord-E-Mail in Verbindung stehe, schon auf den Bart neugierig ist und ihn keineswegs abrasiert haben will.
Faszinierende Unterwasserwelt direkt am Strand
Wir besuchen in Papua Neu-Guinea als erstes die sehr kleine Insel Punawan. Wir merken, dass wir eine Kulturgrenze überschritten haben: Ab hier wird nicht mehr Kava getrunken, sondern Betelnuss gekaut, wie man an den rot verfärbten Zähnen der Einheimischen erkennen kann. Die Nüsse der bis zu 30 Meter hohen und gegenüber der Kokospalme deutlich schlankeren Betelpalme werden dazu mit Korallenkalk und einem Blatt des Betelpfeffers gekaut, der rote Saft soll das Zahnfleisch kräftigen und gegen Würmer schützen.

Fahrt mit einem Auslegerboot, auf dem neben vier Besatzungsmitgliedern bis zu zehn Passagiere Platz haben

Das Boot kann unmittelbar die Fahrtrichtung wechseln, indem das Segel von vorne nach hinten ummontiert wird.

Wir unternehmen eine Fahrt mit einem einheimischen Auslegerboot, das keinen Unterschied zwischen Bug und Heck kennt – zum Richtungswechsel wird das Segel einfach andersherum montiert, wofür ein Besatzungsmitglied am Rumpf entlang läuft. An sich sind diese größeren Boote hochseetauglich, doch unser Exemplar ist nicht ganz dicht, weshalb sich die Probefahrt auf das Innere der Lagune beschränkt und die Entdeckungen schnell unter Wasser fortgesetzt werden: Die Korallen gehen hier bis an den Strand und selbst absolute Nichtschwimmer können im flachen Wasser ohne Probleme mit der Schnorchelausrüstung den Unterwassergarten der Blumentiere bewundern und so auch leichter fotografieren. Der Rest kann wie schon zuvor vom Zodiac aus schnorcheln und tauchen.

Die Hirnkoralle hat ihren Namen von ihrem Aussehen

Die Korallen auf Punawan sind direkt am Strand auch für Nicht-Taucher leicht zu erreichen


Für den japanischen Markt schneiden nicht einheimische Fischer Haien die Flossen ab, die getrocknet werden und der Potenz förderlich sein sollen. Der verstümmelte Hai wird zum Sterben zurück ins Meer geworfen.

Ein von backsteinfarbenen Flechten überzogener Baumstamm

Die Gegenseite der Insel lädt nicht zum Baden ein
Mehr Fotos und auch Videos gibt es auf den Bilder-Seiten!
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